Mittwoch, 31. März 2010

Karl

Karl ist ein Wichtigtuer. Er steht auf jeder Party im Mittelpunkt, weil er abgefahrene Stories erzählt. Niemand glaubt ihm seinen Quatsch, aber die Geschichten sind witzig und er erzählt sie sehr unterhaltsam. Wie die Sache mit dem Joghurtbecherdeckel:
Karl meinte, dass er sich beim Ablecken eines Joghurtbecherdeckels einmal sehr tief in die Zunge schnitt. Da er daran fast verblutet wäre, beschloss er die Herstellerfirma zu verklagen. Natürlich gewann Karl den Prozess und hat damit maßgeblich dazu beigetragen, dass die Kanten der Joghurtbecherdeckel „entschärft“ wurden. Er versicherte uns, dass wir nun dank ihm jederzeit unbeschwert jeden Joghurtbecherdeckel in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz ablecken könnten – ohne uns Sorgen über unsere Zungen machen zu müssen.
„So ein Quatsch“, sagte ich mehr zu mir, als zu den Partygästen, „ich habe mich noch nie mit einem Joghurtbecherdeckel in die Zunge geschnitten.“
„Dank mir“, sagte Karl, „dank mir!“

Donnerstag, 25. März 2010

Bild #1

Ein kahles, unwirtliches Zimmer. An einem einfachen Holztisch sitzt eine junge Frau und faltet aus Geldscheinen kleine Boote. Sie setzt die Boote, eines nach dem anderen, in eine mit Wasser gefüllte Schüssel, die neben ihrem Stuhl steht. Während sie schon das nächste Boot faltet bemerkt sie nicht, wie die ersten sich langsam vollsaugen und leise untergehen.

Donnerstag, 18. März 2010

Jetzt aber

Der Frühling nimmt heute seinen zweiten Anlauf. Das ist schön. Also bin ich heute Vormittag mit dem Rad in die Stadt gefahren und habe viele Straßen seit dem Herbst das erste Mal wiedergesehen. Was soll ich sagen? Gohlis baut.
Nicht nur, dass es hier seit ein paar Wochen das nigelnagelneue Kaufland gibt, nein, Gohlis-Süd wird mit neuen Wohnhäusern zubetoniert. Besonders betroffen ist davon die Stallbaumstraße. Auf der grünen Ecke, wo sich laut Google maps die "Wiona Biowindel GmbH" befindet entsteht gerade eine neues Mehrfamilienhaus, das nach Fertigstellung erst noch beweisen muss, dass es in die Liga der außergewöhnlichen Altbau-Neubau-Verbindungen passt.
Ebenfalls auf der Stallbaumstraße wurde scheinbar noch vor dem Jahreswechel die erste Hälfte des Projekts "Gohlis-Terrassen" abgeschlossen. Die zweite Hälfte wird gerade gebaut und ist, zu meinem Erstaunen, schon weit fortgeschritten. Das große grüne Loch, dass man auf dem Satellitenfoto sehen kann, kann man jetzt eben nur noch dort sehen. Also schnell noch nen screenshot machen. ("Wusstest du, dass der einzige natürliche Feind des Lochs der Pfahl ist?")
Was ich eigentlich damit sagen will: Ich finds anderskrass (das Wort habe ich gestern auf ner Lesung gelernt - aber dazu vllt. später mehr), wie sich ein vertrautes Stadtbild um einen herum verändern kann, ohne dass man etwas davon mitbekommt, weil der Winter einen weit ins Wohnungsinnere treibt. Aber der ist ja nu vorbei, der olle Winter.

Montag, 1. März 2010

MERZ!

Strömt raus auf die Straßen – der März ist da! Wieso auf die Straßen? Das weiß doch jedes Kind! MERZ! Ergebt euch dem Taumel und feiert mit eurem Nachbarn. Feiert mit Anna Blume und freut euch eurer Jugend. Der März ist da und geht so schnell nicht wieder weg. Aber auch das ist relativ, wie die Frische der Brötchen beim Bäcker um die Ecke. Und schaut euch um, wo überall MERZ ist! Nicht allem/n ist zu trauen! Z.B. die reclamgelben Narzissenvgl. hierzu Rote Anna Blume. Die sind sauber, deswegen aber nicht minder MERZ. Im Gegenteil, sie sind hygienische Malerei. Und wenn es in der Stadt infolge März wieder verstärkt nach Hundekot riecht, so ist das nicht die Schuld von MERZ.