Mittwoch, 29. April 2009

Dienstag, 28. April 2009

Captcha = Dada 2.0

Die definitive Lyrik für das 21. Jahrhundert wurde soeben erfunden und ist hier zu finden:

http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/473813

Gedanken zur Lage des Planeten

  • Sportfreunde Stiller beweisen, dass mittlerweile jede drittklassige Schülerband ein MTV Unplugged bekommt.
  • Hollywood Undead = Slipknot frisst Sido
  • 27.4.1996: Der FC Bayern München entlässt Trainer Otto Rehhagel nach einer 0:1 Heimniederlage gegen den FC Hansa Rostock - Die Bayern standen auf dem miserablen 2. Tabellenplatz - Oldie Franz Beckenbauer sollte die Meisterschaft noch retten
  • 27.4.2009: Der FC Bayern München entlässt Trainer Jürgen Klinsmann nach einer 0:1 Heimniederlage gegen den FC Schalke 04 - Die Bayern stehen auf dem horriblen 3. Tabellenplatz - Mumie Jupp Heynckes soll die Meisterschaft noch retten
  • BSE ging vorbei
  • MKS ging vorbei
  • H5N1 ging vorbei
  • Schweinegrippe geht vorbei

Samstag, 11. April 2009

Pariser Tagebuch IV

02|03|09

Ein Tag im Louvre. Ein Tag, an den ich mich nicht allzu detailliert erinnern kann und will. Schon im Vorfeld habe ich wenig Lust auf das vielleicht berühmteste Museum Europas. Nicht nur, dass die Sammlung nicht in unser Seminarthema passt; der Louvre ist schlicht ein Touristenmagnet, in dem es für Kunsthistoriker kaum möglich ist, ein berühmtes Gemälde in Ruhe anzusehen und zu diskutieren.
Bevor wir den Bau jedoch betreten, erfolgt selbstverständlich eine ausführliche Architekturgeschichte und –analyse. Schon jetzt, es ist 9:30 Uhr, läuft die Diskussion schleppend. Irgendwer redet über Henry IV, Ludwig XIV, den Salon und die große Achse. Auf Letztere werde ich in einem der letzten Beiträge näher eingehen.



Wir betreten den Louvre und werden ziemlich schnell auf eine Kuriosität aufmerksam gemacht, zu der ich mir sehr gut einen Karambolage-Beitrag auf arte vorstellen kann. Wenn man in Frankreich ein größeres Museum, in dem es auch Führungen gibt, als Gruppe betritt, muss der Gruppenleiter einen großen grünen Sticker gut sichtbar auf der Kleidung tragen. Dieser Sticker räumt dem Gruppenleiter das sogenannte „droit de parole“ ein. Erst, wenn ein Gruppenleiter das Sprachrecht hat, darf eine Gruppe vor einem Werk stehen bleiben und dieses diskutieren. Sicherheitskräfte achten penibel darauf, ob diese Vorschrift samt seiner zweistündigen Begrenzung eingehalten wird. Die zwei Stunden Sprachrecht gelten selbstverständlich generell, nicht pro Werk.
Das Verfahren des „droit de parole“ hat zwei Gründe. Erstens sind Museumsführungen in Frankreich gewerkschaftlich organisiert. Niemand darf also den Fachkräften vor Ort ihren Job streitig machen. Das will auch niemand, denn man weiß, wie Arbeitskämpfe in der Grande Nation ausgetragen werden. Zweitens sind Gruppen in Museen nicht sonderlich erwünscht. Kuratoren sind der Meinung, dass Gruppen einzelne Besucher beim Betrachten der Ausstellungsstücke behindern. Sie werden als zahlende Gäste zwar eingelassen, doch man tut alles, damit sie sich so unwohl wie möglich fühlen. Das „droit de parole“ sorgte während der gesamten Exkursion immer wieder zu Recht für Diskussionen. Immerhin ist das Museum ein Arbeitsort des Kunsthistorikers. Es ist merkwürdig, darum betteln zu müssen, ungestört arbeiten zu dürfen.
Wer Kunst mag, fühlt sich im Louvre aber ohnehin nicht wohl. Die erschlagende Bilderflut ist dafür nur einer der Gründe. Es sind vor allem die Touristen, die an den wunderbarsten Gemälden des 19. Jahrhunderts vorbeiziehen wie an Jahrmarktsbuden und hin und wieder auf ein Bild zeigen, das sie von Postkarten kennen. Nach spätestens zwei Stunden, wenn man kein Recht mehr hat zu sprechen, geht es einem als Kunststudent jedoch nicht anders. Keine Präsentation wird hier seinem Werk gerecht. Ein Meisterwerk überstrahlt das andere und ein bestimmtes schließlich alle – La Gioconda von Leonardo da Vinci.
Zwischen 9 und 19 Uhr bekommen wir eine Stunde Pause zugesprochen, in der wir uns entscheiden können, ob wir uns Kunst ansehen, die uns privat interessiert, oder ob wir etwas essen. Natürlich darf man im Louvre weder essen noch trinken und ist auf die überteuerten Bistros im Gebäude angewiesen. Ich esse also ein Sandwitch (spricht: sondwiitsch) zu 6,50€, zu viert teilen wir uns einen Cappuccino für 4,50€. Mehr Zeit haben wir nicht. Auf dem Rückweg zur Gruppe werde auch ich unfreiwillig zum Jahrmarktstourist und rase u.a. an folgenden Meisterwerken vorbei:

• Théodore Gericault – Das Floß der Medusa
• Eugene Delacroix – Die Freiheit führt das Volk und Der Tod des Sadarnapal
• Jacques-Louis David – Der Schwur der Horatier, Der Raub der Sabinerinnen, Napoleon krönt Kaiserin Joséphine und Liktoren bringen Brutus seine toten Söhne
• Jean-Auguste-Dominique Ingres – Die große Odaliske und Loius-Francois Bertin
Nike von Samothrake

Natürlich sehe ich mir auch die Mona Lisa an und wundere mich über den verhältnismäßig geringen Andrang. Dennoch kann man das Gemälde im Abstand von 3 Metern und hinter Panzerglas nicht betrachten. Man kann es nur fotografieren und weitergehen. Von einem Poster hat man mehr.



03|03|09


Am Vormittag besuchen wir das Deutsche Forum für Kunstgeschichte am uns bereits bekannten Place des Victoires und erhalten einen umfangreichen Einblick in die Arbeitsweise eines Instituts, dass keiner Universität untersteht. Sehr sympathische Menschen und ein Wohlfühl-Arbeitsklima.
Den Nachmittag verbringen wir im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris. In einem früheren Beitrag habe ich bereits auf den schrecklichen Namen und die hervorragende Sammlung hingewiesen. Dennoch kriechen wir alle auf dem Zahnfleisch, obwohl erst die Hälfte der Exkursion geschafft ist. Wir sehen nur noch Bilder, keine Kunst mehr. Unsere Nerven sind überstrapaziert, da es keine Pausen, sondern nur langwierige Diskussionen gibt. Neben Werken von Léger und einer schlechten Ausstellung zum Gesamtwerk Giorgio de Chiricos sehen wir das Gemälde Die Geschichte der Elektrizität von Raoul Dufy. Dieser Staatsauftrag für die Weltausstellung 1937 ist nicht das größte Gemälde der Welt, auch wenn das viele Franzosen noch immer behaupten. Mit 600 m² kann sich Dufy aber schon sehen lassen.
Als es schon dämmert, analysieren wir noch den Bau und dessen Geschichte. Ich lasse mich gern von Monumentalromantik um den Finger wickeln, stehe aber zumindest an diesem Tag allein mit meiner Meinung da. Das ist mir allerdings herzlich egal, denn ich bin zu sehr damit beschäftigt zu frieren und mir fallen schon im Stehen die Augen zu. Außer dem Versand von Postkarten mache ich nichts mehr.


Mittwoch, 8. April 2009

Pariser Tagebuch III

01|03|09

Die Linie C des RER bringt uns in einen Vorort der Stadt – Meudon. Wir fahren durch eine surrealistische Fotografie. Hinter den langen Tunneln, durch die sich Kabelbäume und Rohrsysteme ziehen sehen wir die unwirklich erscheinende Welt der Banlieues. Hier türmen sich Wohnsilos in denen vor allem Araber und Afrikaner wohnen, die in Frankreich ihr Glück suchen. Dazwischen gibt es aber immer wieder einzelne kleine Häuschen, in denen man die durchschnittliche Vorstadtfamilie vermutet.
Am Vormittag besuchten wir im Hôtel Sully, einem weiteren Hôtel particulier, eine Ausstellung mit dem Titel „Paris, capitale de photography. 1920 – 1940.“ Zu sehen gab es vor allem surrealistische Experimente mit dem Medium Foto an sich. Namentlich vertreten waren u.a. Man Ray, Jacques-André Boiffard, Max Ernst, Brassaï, Dora Maar und WOLS.


Danach: „In Paris läuft man. Wer in der Metro mehr als einmal umsteigt ist Tourist.“ Darum geht es von der Rue Saint-Antoine, nördlich der Seine, mit scharfem Schritt zu Station Saint-Michel am südlichen Seineufer. Wir passieren die Île Saint-Louis und die Île de la Cité, versuchen zwischen den Touristenmassen einen Weg zu finden und den Zug noch zu erreichen, der uns nach Meudon bringen soll.

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Man muss nach Meudon fahren und den Ort ein Stück weit durchqueren, um in den abgelegen Zipfel eines anderen Vorortes, namens Clamart zu kommen. Hier befindet sich das Maison-Atelier de Sophie Taeuber et Jean (Hans) Arp. Spätestens jetzt bemerke ich, dass Improvisation das A und O einer Exkursion ist. Zwar habe ich mich intensiv auf die Werke Hans Arps vorbereitet, doch sollte mein Referat erst viel später im Centre Pompidou gehalten werden. Da wir aber einmal in Arps ehemaliger Wohn- und Arbeitsstätte sind, halte ich mein Referat aus dem Stehgreif und versuche den Anwesenden einen neuartigen Mimesisbegriff zu erklären. Verstehen kann man diesen nur vollständig, wenn man die rundlichen Skulpturen berührt und ihre Konturen nachfährt. Natürlich befinden wir uns in einem Museum und wissen, dass dieser Wunsch utopisch ist. Wir hantieren mit Vorstellungen.
Zum Abschluss des Tages in Meudon, dann die freudige Überraschung. Der Gruppe wird ein Eimer voller Handschuhe gereicht, mit dem man die im Garten stehenden Bronzeplastiken berühren darf. Der Leiter der Fondation Arp, so der Name der Einrichtung heute, weiß nur zu gut um die Verlockungen, welche die Skulpturen bei dem Betrachter auslösen, aber auch um den ausdrücklichen Wunsch Arps, seine Ideen fühlbar werden zu lassen. Was folgt, ist ein großes Gruppen-Bronzestreicheln mit einer Reihe verzückter Gesichter. Im Gegensatz zu allem, was wir je in einem Museum erfuhren und vielleicht in Zukunft erfahren werden, fand hier eine unmittelbar sinnliche Kunsterfahrung statt, wie sie vorher nicht einmal unser Dozent kannte. Man schließt die Augen und lässt die Hand die fließenden Formen nachfahren. Es klingt sicher kitschig, aber für diesen Moment fühlt man sich total im Einklang mit der Welt. Ein schönes Gefühl. (Hier ein Beispiel für eine Arp-Skulptur)



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Am Abend fahre ich mit ein paar Kommilitonen ins Marais, das jüdische Viertel der Stadt. Hier kann man v.a. auf der Rue des Rosieres hervorragend und preiswert essen. Ich jedenfalls verzehrte hier das beste Falafel meines bisherigen Lebens, was dazu führt, dass ich in den nächsten Tagen noch zweimal das Viertel aufsuche.
Anschließend gehen wir noch etwas trinken, was in Paris gar nicht so einfach ist, wenn man mit einer Gruppe von acht Personen unterwegs ist. Als wir in einer der kleinen Bars endlich genug Platz und eine Karte organisiert haben, trifft uns fast der Schlag. Man kann im Marais zwar sehr billig und gut essen, allerdings ist man beim Trinken mit einem 0,5l Bier ab 6€ dabei. Naja, was soll’s. Wenn wir schon mal sitzen…