Freitag, 11. Dezember 2009

Thomas Bernhards "Samurai"

Könnt ihr euch noch erinnern, wie einmal der alte VW Golf des Papstes versteigert wurde; den er fuhr, als er noch Kardinal war, nach seiner Wahl zum Stellvertreter Christi auf Erden jedoch schlagartig zur premortalen Reliquie wurde?
Nun - nicht ganz so prominent, aber nicht weniger päpstlich ist folgender Käsehobel aus der Sammlung "Olle Karren, die keiner mehr fahren will, aber mal ner Berühmtheit gehörten und sich daher trotzdem noch zu Geld machen lassen" aufgetaucht. Posthum, versteht sich.

Erst hier klicken.

Dann hier.

Dienstag, 8. Dezember 2009

Dienstag, 1. Dezember 2009

Zitat des Tages

"Als es die Götter nicht mehr gab und Christus noch nicht, war zwischen Cicero und Marc Aurel ein einmaliger Augenblick entstanden, in dem der Mensch für sich existierte."

Gustave Flaubert

Donnerstag, 19. November 2009

Versuch über das Notizbuch

Als Schriftsteller muss man mit einem Notizbuch arbeiten. Man muss mit einem Notizbuch arbeiten, damit man im richtigen Moment und das ist der Moment in dem ein paar gute Sätze vorbeischwimmen, zum Beispiel, wenn man abends im Bett liegt und schon fast eingeschlafen ist, aufspringen und die guten Sätze an Land ziehen kann. Ein solches Notizbuch muss klein sein, so klein, dass es immer griffbereit ist, nicht nur neben dem Bett, sondern auch in der Jackentasche.
Ein solches Notizbuch ist das MOLESKINE. Ein MOLESKINE ist ein kleines, schwarzes Notizbuch in Leder oder Lederimitat gebunden, mit einer Papiertasche auf der Innenseite des hinteren Buchdeckels und einem daran befestigten Gummiband um das Notizbuch zu verschließen.
Genau so ein Notizbuch brauchte ich. Da man bei Google alles findet, was auf der Welt gibt und was man bei Google nicht findet eben nicht gibt, habe ich erfahren, dass die Notizbücher, die ich von Schriftstellerfotos aus dem Internet kenne, MOLESKINE heißen. Genau so ein Notizbuch brauchte ich.
Das MOLESKINE war und ist bei Schriftstellern darum so sehr beliebt, weil es unglaublich praktisch ist um darin die guten Sätze festzuhalten, die hin und wieder vorbeischwimmen. Das wussten schon Oscar Wilde, Hemingway und Chatwin und schätzten das MOLESKINE daneben auch wegen seines attraktiven Preises. Zu Beginn ihrer Laufbahn sind Schriftsteller naturgemäß arme Menschen, darum benötigen sie billige und praktische Notizbücher, um gute Sätze aufzuschreiben und reich zu werden. Genau so ein Notizbuch brauchte ich.
Was man bei Google auch findet, nachdem man bei Google gefunden hat was man suchte, ist ein Händler, der einem das gefundene Gesuchte zum Kauf anbietet. Mit dem lässt sich leider nicht feilschen, bei dem kann man auch nicht anschreiben lassen. Nicht einmal wenn er Notizbücher verkauft. Attraktiv war der Preis damals und das ist er auch heute noch, denn der Preis sagt viel über die Qualität des Produktes aus. Wer billig kauft, kauft zweimal.
Ein MOLESKINE ist eine Investition fürs Leben, etwas an dem man immer Freude hat, weil es immer griffbereit ist. Es ist hochwertig verarbeitet im Gegensatz zu vergleichbaren Notizbüchern, von deren Existenz ich erst im wahren Leben erfuhr und wegen denen ich einen existenzphilosophischen Diskurs mit mir selbst ausficht, da ich besagte Vergleichsnotizbücher bei Google nicht fand und deren Existenz infolgedessen anzweifelte, obwohl sie deutlich erkennbar vor mir beim Händler lagen.
Ein MOLESKINE ist derart hochwertig verarbeitet, dass sich heutzutage Kapital daraus schlagen lässt und man es darum beispielsweise nicht als Bierflaschenöffner benutzt, obwohl das die praktische Dimension des MOLESKINE entscheidend erweitern würde, da es als Kapitalanlage auch als Prestigeobjekt dient, was es aber nicht mehr tut, wenn sich daran Spuren des Gebrauchs als Bierflaschenöffner finden. Anders das Vergleichsnotizbuch, dass sich sehr wohl als Bierflaschenöffner eignet, da es bei einem Drittel des Preises eines MOLESKINE kein Prestigeobjekt ist, aber dreimal so dick ist, was auch bedeutet, dass man dreimal so viele gute Sätze an Land ziehen und festhalten kann, sollten welche vorbeischwimmen, was zu beweisen wäre.

Dienstag, 10. November 2009

Liebe ist...

Ja, es ist tatsächlich passiert: Das neue Rammstein-Album "Liebe ist für alle da" wurde indiziert. Das heißt in erster Linie, dass nun wieder eine öffentliche Zensurdebatte geführt werden wird, obwohl das Album ja nicht verboten, sondern "lediglich als jugendgefährdend" eingestuft wurde. Dennoch ist es nach wie vor eine Frechheit mit welchen fadenscheinigen Begründungen solche Indizierungen vorgenommen werden. Sätze, die mit "Die Band ruft auf zu..." beginnen zeugen nicht gerade von einem Verständnis, wie man Kunst zu bewerten und zu beurteilen hat. Sei's drum - Zensursula wollte es so, also wird's so gemacht.
Selbst als jahrelanger Rammstein-Hörer war ich über das Echo, welches die neue Platte auslöste überrascht. Auch seriöse Tages- und Wochenzeitungen haben sich (nicht immer klug, aber immerhin) dazu geäußert und sogar die Band zu Wort kommen lassen. Auf amazon.de (ca. 240 "Rezensionen" in wenigen Tagen!) wurde kontrovers diskutiert und heftig gestritten. Leider kann man das alles nicht mehr lesen, da ab sofort nur noch die "neue Version" des Longplayers offen vertrieben werden darf - und muss dann wieder neu bewertet werden.
Doch hören wir uns die Skandalplatte doch erstmal genau an...

  1. Rammlied: "Wer wartet mit Besonnenheit/Der wird belohnt zur rechten Zeit/Ja, das Warten hat ein Ende/Leiht euer Ohr einer Legende" Der Song wurde sicher von vorn herein als Opener konzipiert, der vor allem bei den Konzerten hervorragend funktionieren wird. Der Sound gibt allerdings auch von Anfang an die Linie des Albums vor. Es geht wieder härter und rotziger zur Sache und man besinnt sich auf frühere Alben wie "Herzeleid" und "Sehnsucht". Der Refrain besteht aus einem Wort und das lautet "RAMMSTEIN", was ebenfalls ein erster Hinweis auf die stetig präsente Selbstreferentialität der Platte ist.
    Musikalisch bewegt sich der Song zwischen konpromisslosem Metal und akustischen Brücken, auffällig ist vor allem das Schlagzeug, welches sich teilweise dem guten alten double-bass bedient. Der Gesang ist typisch Lindemann, durchzogen von choralen Passagen. Insgesamt geht das Stück in Ordnung - ist jedoch kein großer Wurf. (3/5)
  2. Ich tu dir weh: Hauptaufreger in der Index-Debatte. Zu gewaltverherrlichend, zu menschenverachtend. "Stacheldraht im Harnkanal" ist die Aufregerzeile in dieser kleinen, aber feinen S/M-Revue. Fakt ist aber, dass hier eine ins Grenzenlose pervertierte Erotik angeprangert wird, an deren Entstehung sicher nicht die Band Schuld trägt.
    Im Gegensatz zum Text ist die Musik im Vergleich zum ersten Track versöhnlicher und vor allem melodischer. Sinnbild für eine verklärte Romantik? (4/5)
  3. Waidmanns Heil: Eher einer der schwächeren Songs der Platte, aber mit einigen Livequalitäten. Wie der Titel vielleicht ahnen lässt geht es um den Spaß am sinnlosen Töten und dem Ausleben einer ungleichen Machtverteilung.
    Sowohl Klang als auch Text bieten wenig Überraschungen. (3/5)
  4. Haifisch: Ein unglaublicher schöner Song, der in vielerlei Hinsicht überrascht. Die Band beleuchtet sich selbst und vergleicht sich mit einem, in der Tiefe lebendem Hai. Ein einsames Tier, das nur nach Außen aggressiv wirkt. Vielleicht manifestiert sich hier ein Selbstbild, welches in den aktuellen Interviews immer wieder anklingt: Sie sind der momentane Ausdruck hässlicher Tabuthemen der Gesellschaft und damit allein auf weiter Flur... Zur Illustration dieses Zustandes bedient man sich Bertolt Brechts "Moritat von Mackie Messer" und weiß diese gekonnt für sich umzugestalten.
    Etwas skeptisch bin ich jedoch bezüglich der Selbstthematisierung, welche z.B. von den Onkelz auf die Spitze getrieben wurde. Seit dem es die nicht mehr gibt, ist ein Vakuum entstanden, welches Rammstein sicher schließen könnte... Dennoch: (5/5)
  5. B********: Bückstabü? Bückstabil? Ich hab keine Ahnung was der Song mir sagen soll. Er ist kompromisslos hart, textlich inkohärent und irgendwie einfach langweilig. Live geht da sicher Einiges, beim Hören der Platte ist er der heißeste Kandidat für die Skiptaste. (2/5)
  6. Frühling in Paris: Ich liebe es, wenn Rammstein Balladen schreiben. Auch wenn es, passend zum Albumkonzept eher unversöhnlich darin zugeht. Erzählt wird die Geschichte einer fragwürdigen Liebe in Paris, die blutig zu Ende ging. Doch wie schon Edith Piaf sang: "Non, je ne regrette rien." Die spielerische Musik und der überraschend klare Gesang Lindemanns rahmen diese l'amour fou perfekt. (5/5)
  7. Wiener Blut: Wie schon mit "Mein Teil" setzt sich die Band in diesem Song mit einem Gewaltverbrechen auseinander, welches die menschliche Vorstellungskraft schier übersteigt. Mit dem Hören von "Wiener Blut" entwickelt man vielleicht ansatzweise ein "Hineinversetzen" in die Kinder, welche von Fritzl jahrelang in einem Kellerverließ in Österreich "gehalten" wurden...? Es ist das mit Abstand böseste und dunkelste Lied, das Rammstein bisher geschrieben haben - muss es auch sein.
    Musikalisch kommt es erst etwas verwegen daher und schaukelt einen in eine unbehagliche Stimmung, bis es schließlich in aller Härte ausbricht und einen nur noch sprachlos macht. Sehr intensiv! (5/5)
  8. Pussy: Ja, ja... was soll man sagen. Als die Single vorab erschien, war ich mehr als skeptisch. Ich wusste einfach nicht, ob das nicht ein bisschen viel Ironie auf einmal ist, und ob das auch so verstanden werden wird. Fakt ist jedoch, dass "Pussy" im Kontext des Albums wie die Faust aufs Auge passt. Da geht es um Sextourismus in Osteuropa, um deutsche Klischees (zu denen Rammstein mittlerweile gehören) und bruchstückhaftes Porno-Englisch. Und dann ist das Teil auch noch so groovy, dass sogar Flake an seinen Keyboards mal wieder ordentlich was zu tun bekommt. Respekt! (5/5)
  9. Liebe ist für alle da: Und dann kommt nach dem ganzen Sex der ironische Bruch. Was macht eigentlich der arme Kerl, der Sex mit Liebe verwechselt und am Ende gar nichts von beiden bekommt? Richtig, er geht ins Schwimmbad und, naja...
    Der Song wirkt im Ganzen etwas unfertig und kommt daher etwas "taumelig" daher, dadurch bekommt er jedoch auch Ecken und Kanten, die wiederum reizvoll sind. (3,5/5)
  10. Mehr: Ein Lied, dass mir aus der Seele spricht. Es kommt vielleicht etwas altbacken daher, aber in der heutigen Zeit kann man eben von nichts genug bekommen. Auch nicht von Konsumkritik. Wenigstens ist man musikalisch nicht redundant und experimentiert ein wenig mit überspitzten Harmonien und teilweisem Operngesang. Ein Song in dem man sich, ähnlich wie in den Kaufhäusern der Stadt wunderbar verlieren kann. (4/5)
  11. Roter Sand: Das einzige Stück der Platte, das auch von einem der letzten beiden Alben stammen könnte. Erzählt wird eine tragische Liebesgeschichte aus der Sicht ihres Opfers.
    Der Song nimmt nie so richtig Fahrt auf und plätschert so dahin, wodurch ein im ganzen gutes Album eher nebenbei endet. Eigentlich Schade... (3/5)
Insgesamt muss man sagen, dass Rammstein mit "Liebe ist für alle da" ein sehr gutes Album über meinen Erwartungen (die eigentlich nicht vorhanden waren) abgeliefert hat. Es ist ein einiger Klotz aus (Selbst-)Ironie, Sarkamus und Zynismus, der ungezügelt mit der Gegenwart abrechnet. Durchdachte Texte paaren sich mit durchdachter Musik, die wieder mehr von der alten Rohheit Rammsteins versprüht. Natürlich ist das manchmal auch ziemlich plakativ, aber hey, einer muss es ja machen.

Dienstag, 27. Oktober 2009

"Der andere Prozess"

Wie es immer so ist mit Nachlässen und deren Erben. Ein Manuskript gehört doch in erster Linie dem Autor. Und dessen Wille ist im vorliegenden Fall doch eindeutig, nicht wahr? (ma ankliggn hier)

Montag, 5. Oktober 2009

Mittwoch, 30. September 2009

Freitag, 11. September 2009

Sarkozy ist nicht Obama

Passend zum liegenden Obama und dem dazu abgegebenen Kommentar: ein Einblick in die Bildpolitik des französischen Regierungschefs. (klick!)

Montag, 7. September 2009

"Jazz auf klassizistischen Fundamenten"

Wer schon immer mal wissen wollte, was Kunsthistoriker machen, wenn sie sich nicht mit Jahrhunderte alten Ölschinken beschäftigen, dem kann ich nur wärmstens diesen Artikel über die Ikonographie des sitzenden Obama empfehlen (klick!).

Samstag, 29. August 2009

IKEA goes Wiener Secession

Der neue IKEA-Katalog ist da! Bereits letztes Jahr fiel mir im Sortiment des schwedischen Möbelmonopolisten eine erstaunliche Analogie zur klassischen Avantgarde auf (klick!) - so auch diesmal.

Die neue Lampe IKEA PS MASKROS erinnert doch stark an die vergoldete Lorbeerkuppel des Wiener Secessiongebäudes (1897/98) von Joseph Maria Olbrich. Das ist nicht sonderlich überraschend, da dekorative Jugenstilelemente, vor allem aus dem Werk Gustav Klimts schon seit längerem im IKEA-Kosmos zu finden sind.
Neben dem Material liegt der wesentliche Unterschied allerdings in der detaillierten Ausgestaltung. Während die Kuppel in Wien asymmetrisch, natürlich und verspielt ist, kommt die Riesenpusteblume von IKEA etwas zu statisch daher. Dennoch nicht ganz unansehnlich das Lämpchen.

Dienstag, 25. August 2009

Der gerechte Flop

Rolf Hochhuth scheitert in Berlin mit seinem "Autorentheater". Zu Recht - irgendwie. Klick!
Die Story dahinter gibt es hier.

P.S.: Ich werde gefundene Artikel etc. doch wieder hier posten. Gefällt mir besser.

Edit: Zur Abwechslung noch was (mehr oder weniger) Politisches. Klick!

Freitag, 21. August 2009

Captcha-Lyrik

poetisan

restiv heallsiv
rephrod miniscul mindo
mindo beekei
mindo beekei restiv
rephrod miniscul
mindo beekei

anterbu actintmo
miniscul subbeeks scoloura
mindo beekei restiv

paictro depha poetisan mindo
anterbu depha beekei
rephrod mindo beekei
restiv
heallsiv

Donnerstag, 20. August 2009

Zitiert: David Foster Wallace

"Es scheint, als liege der Unterschied zwischen echter Kunst und La-La-Kunst in der Bereitschaft zu sterben, um den Leser zu rühren."

"Ich wollte mir nicht unbedingt wehtun. Oder mich irgendwie bestrafen. Ich hasse mich nicht. Ich wollte bloß raus. Ich wollte nicht mehr mitspielen, das ist alles... Wehtun hat mir gerade noch gefehlt. Ich wollte mich bloß einfach nicht mehr so fühlen. Ich glaube... ich glaube nicht, dass dieses Gefühl je weggehen würde. Glaub ich auch jetzt noch nicht. Lieber fühl ich gar nichts, als das hier... Das Gefühl ist der Grund, warum ich sterben will. Ich bin hier, weil ich sterben will... Deswegen hat man mir Schnürsenkel und Gürtel weggenommen. Nur das Gefühl nimmt man mir nicht weg, oder?" (aus: Infinite Jest. Roman.)

Über Antidepressiva: "Sie sind prima, wirklich, prima in dem gleichen Sinne, wie es prima wäre, auf einem anderen Planeten mit Essen und frischem Wasser. Es wäre prima, aber eben nicht die gute alte Erde."


alle Zitate aus: Klaus Brinkbäumer - Wer schreiben will, muss leben in: DER SPIEGEL, Nr. 33, 10.08.2009, S. 118 - 123.

Donnerstag, 13. August 2009

Vergangenes - Aufzeichnungen 2

8|8|08

Die Bauern haben schon fast die gesamte Ernte eingeholt. Für mich ist das immer ein Anzeichen dafür, dass der Sommer bald zu Ende geht. Dabei hat er für mich noch gar nicht richtig begonnen, bevor ich nicht im See schwimmen war. Nun stehen nur noch die gelben Stoppeln aufrecht auf den Feldern. Dazwischen ein paar Krähen, die versuchen vom Weizen zu profitieren. Ich wollte vom SSV profitieren, eine neue Badehose kaufen, doch Anfang August ist da nichts mehr zu holen. Ich hasse es vom Einzelhandel durchs Jahr getrieben zu werden.


16|8|08

In seiner Zerstreutheit vergaß er den Weichspüler in die Maschine zu gießen. Er bemerkte es erst jetzt, beim Abnehmen der Wäsche. Die Socken hingen wie getrocknete Fische auf dem Gestell. Ein trostloser Anblick.
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Pop ist die einzige Kultur, die sich maschinell reproduzieren lässt. Sobald etwas maschinell erzeugt wurde, ist es Pop.

Dienstag, 11. August 2009

Gestern unterwegs


Tempera, Tusche, Fahrschein und Hosenknopf auf Aquarellpapier, 16 x 12 cm

Montag, 10. August 2009

Dada Cinéma 2



0:11 min., Farbe, Deutschland 2009, Drehbuch und Regie: Clark Nova, Kamera: a./Kodak Z740

Damit ist die Duchamp-Rezeption fürs erste beendet.

Donnerstag, 30. Juli 2009

Nachrichten, Artikel, Reportagen

Ab sofort verlinke ich Artikel, die mir auf- und gefallen nicht mehr hier, sondern auf meinem myspace-profil. Der Grund ist einfach: mittels bookmarks lassen diese sich schnell einfügen. Für Blogger gibt es diesen Service meist nicht und so müsste ich immer erst einen neuen Post erstellen und den Link einfügen. Faulheit siegt - und der Blog hier wird nicht so zugemüllt.
Wie ich es in Zukunft mit Videos halte, weiß ich noch nicht.

Samstag, 11. Juli 2009

Letzte NIN-Konzerte?

Passend zum letzten posting... Scheint so, als wären dies die letzten Shows von NIN. Kacke.

08/22 - New York, NY @ Bowery Ballroom
08/23 - New York, NY @ Webster Hall
08/25 - New York, NY @ Terminal 5
08/26 - New York, NY @ Terminal 5
08/28 - Chicago, IL @ Aragon Ballroom
08/29 - Chicago, IL @ Aragon Ballroom
08/30 - Toronto, ON @ Virgin Festival Ontario
09/02 - Los Angeles, CA @ Hollywood Palladium
09/03 - Los Angeles, CA @ Henry Fonda Theater
09/05 - Los Angeles, CA @ Wiltern Theatre
09/06 - Los Angeles, CA @ Echoplex

Wenn jemand von euch bei einem oder mehreren Konzerten dabei sein wird und nicht allein in die USA reisen will, weil er zuviel Geld und mich unglaublich gern hat - ich bin jederzeit gern dabei.

Dienstag, 7. Juli 2009

Welcome back: Skunk Anansie

Es geht mir eigentlich tierisch auf den Sack, wenn Bands sich mit großem Tam-Tam erst auflösen, um dann nach ein paar Jahren mit neuem Album und ausgedehnter Tour zurückzukehren. In diesem Fall werfe ich meine Ansicht kurz über den Haufen und freue mich, dass SKUNK ANANSIE zurück sind. Yeah!
Die Auflösung verlief damals ohne Aufsehen, ebenso wie das Comeback jetzt. Und immerhin waren sie auch acht jahre weg. Blöderweise werden auf der Tour nur zwei Deutschland-Konzerte gespielt. Berlin und München.

P.S.: Wartet außer mir eigentlich noch jemand auf das Ende der Bandpause der INCHTABOKATABLES?


EDIT: Timescratch ist nach dem Software-Crash wieder am Start!!! (siehe Post vom 19. Dezember 2008)

Montag, 6. Juli 2009

Aus der Vergangenheit - Aufzeichnungen 1

8|7|08

Ein Mann reißt einer Hitler-Figur den Kopf ab. Die Polizei ermittelt u.a. wegen Körperverletzung.
Unterdessen kündigt das Wachsfigurenkabinett die Rückkehr Hitlers an. Er ist einfach nicht tot zukriegen.
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Ich werfe der Rose mangelnde Ästhetik vor. Es gibt Blumen, die weitaus anmutiger, ausdrucksstärker, schöner sind. Lilien z.B. oder Sonnenblumen, allen voran Gerbera. Die Gerbera ist in ihrer schlichten Schönheit die Blume schlechthin. Sie entspricht meiner Vorstellung einer klassischen Blume.
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Theoretisch weiß ich, was zu tun ist.

Mittwoch, 1. Juli 2009

Literaturpreise

Mir ist aufgefallen, dass die Literatur auf diesem Blog viel zu kurz kommt. Ich werde versuchen das in Zukunft zu ändern. Bis es soweit ist, kann man ja mal das hier lesen.

Dienstag, 30. Juni 2009

NIN-Fieber

Mittlerweile bin auch ich ein bisschen krank. Husten... und Nine Inch Nails-Fieber. Okay, ich höre die Musik Reznors seit einer gefühlten Ewigkeit. Bisher habe ich die digitale Ausdehnung der Band jedoch stark unterschätzt. Wer interesse an der Band hat, sollte, nachdem er wikipedia bemüht hat, mal hier stöbern. Dann vielleicht noch auf http://www.nin.com registrieren und das breite Angebot von kostenlosen Downloads etc. nutzen. Es lohnt sich.

Dienstag, 23. Juni 2009

Hurricane 2009

Das Hurricane-Festival in Scheeßel liegt hinter mir und ich lebe noch. Halleluja oder: Was habe ich falsch gemacht? Es war mein erstes Festival dieser Größenordnung (ca. 70.000 Besucher). Der Zeltplatz glich einem Schlachtfeld. Eine riesige matschige Partyzone voller Irrer. Hat Spaß gemacht! Blöderweise wechselten sich Sonne und Regen ständig ab, vorüber das Line-Up jedoch mehr als hinwegtröstete.

Hier ein paar kurze Eindrücke von den Bands, die ich gesehen hab.

Freitag:

Datarock sind sowas wie die norwegischen Deichkind, nur etwas gesitteter auf der Bühne. Groovige Partymucke. Hab aber nur die ersten Lieder gehört.
Katy Perry ist ja Pop, ne? Aber nicht schlecht an so nem Nachmittag aus der Ferne.
Franz Ferdinand bewegten die Massen bis weit nach hinten. Eine irre sympatische Band, große Musiker, geiler Sound. Ich war und bin sehr begeistert.
Moby rockte was das Zeug hielt, mit einem erstklassigen Best-of-Set. Da hat kein Hit gefehlt, da war der Sound großartig, die Stimmung genial. Ganz großes Kino!
Kraftwerk waren live wie auf Dvd. Aber was sollen die auch machen? Also keine Überraschungen, dafür solider Sound von der Elektrolegende schlechthin.

Samstag:

Clueso ist genau das Richtige an einem sonnigen Sommerabend. Hab mir das von weiter hinten ganz entspannt angesehen. Leider waren die Leinwände fast die ganze Show über ausgefallen. Ansonsten stimmte da alles.
Get Well Soon werden bestimmt mal groß. Die Band hat einiges Potenzial. Leider war der Sound im Coca-Cola-Zelt genau so scheiße wie die meisten Leute und die Luft darin. Nach den ersten Liedern musste ich da raus. Schade.
Nick Cave & The Bad Seeds waren dafür umso großartiger. Von dem Herrn können die Stones lernen, wie man auch im Alter noch in Würde rocken kann. Da ging einiges - saugeil.

Sonntag:

Disturbed musste ich mir beim Warten auf NIN antun. Meine Fresse sind die kacke. Oder um es mit den Worten des affen-gleichen Sängers zu sagen: Motherfuckin shit mit motherfuckin dumpf fuckin Elektrorock fuckin motherfuck und motherfuckin shit.
Nine Inch Nails war eigentlich der Hauptgrund für mich nach Scheeßel zu fahren. Ich bin mehr als nur zufrieden mit dem Auftritt. Auf viele Hits wurde im Set zwar verzichtet, dafür gab es fast die komplette "Downward Spiral" und viel von "The Fragile" zu hören. Trent Reznor hat sich so in Extase gespielt, dass er die Instrumente durch die Kante geworfen hat - das ist Rock 'n' Roll. Für mich das absolut beste Konzert des Festivals.

Donnerstag, 11. Juni 2009

Freitag, 5. Juni 2009

Der wahre 68er

Hoch lebe Kurras! Hier klicken.

Dienstag, 2. Juni 2009

Das Fahrradradfahrrad

Nur eine kleine Hommage an Marcel Duchamp.


Mittwoch, 27. Mai 2009

Cadavre Exquis

Eine Flasche Rotwein und der Film Naked Lunch waren für Anne und mich zwei gute Gründen einen Cadavre Exquis zu zeichen. Das ist dabei herausgekommen.

Dienstag, 19. Mai 2009

Fragen

Was ist eigentlich aus Jürgen Klinsmann geworden?
Was ist eigentlich aus "Second Life" geworden?
Was ist eigentlich aus der Schweinegrippe geworden?

Freitag, 15. Mai 2009

Eines langen Tages Reise in die Nacht

Ich weiß nicht mehr, ob ich zuerst auf den fantastischen Titel aufmerksam geworden bin, oder auf die Tatsache, dass Peter René Lüdicke in diesem Stück mitspielt. Beides war für mich Anlass genug um mal wieder das Centraltheater aufzusuchen.
Mit roten Vorhängen wurden Zuschauerraum und Bühne etwas verkleinert, sodass Publikum und Schauspieler zwangsläufig etwas enger zusammenrücken mussten. Man kam sich näher, die Situation wurde familiär und schon war man mittendrin im Familiendrama. Anfangs war es noch recht lustig. Man merkte zwar von Beginn an, dass in dieser Familie nicht alles so ist, wie es sein sollte - aber welche Familie kommt schon ganz ohne Streit aus?
So nehmen wir an einer Szenerie teil, wie sie in vielen Sommerferien, in vielen Sommerhäusern geschehen könnte: Der Vater will abspannen, die Mutter will Idylle, die adoleszenten Söhne wollen Spaß. Ein Balanceakt zwischen Streit und Albernheiten, Drama und Komödie.
Im Laufe des Stückes erfährt man von der Drogensucht der Mutter, den Berufen des Vaters und der Söhne - und einem toten Kind, das Trauma der Familie.
Dann der Bruch: Die Männer gehen in die Stadt um sich zu besaufen, die Mutter bleibt allein zurück und der Zuschauer fragt sich, wen Gott hier eigentlich strafen will. Wieso Gott? Wer denn sonst?
Die Lage eskaliert. Wer verzweifelt ist stellt sich der Situation oder flüchtet sich in einen Rausch. Am Ende reicht die Kraft nicht mehr um alles wieder gut zu machen. Schüsse fallen. Alle verlassen wortlos die Bühne. Das Publikum bleibt starr zurück. Beklemmung auf beiden Seiten, dann langer Applaus.

Infos zum Stück.

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Ein Theaterabend kann aber auch ganz anders aussehen. Wenn selbst die Ironie ironisch gemeinst ist, kann das schnell nach hinten losgehen. So geschehen in "Arsen und Spitzenhäubchen", mit dem der Versuch unternommen wurde die Slapstick-Filme der 1950er auf die Bühne zu bringen.
Leider konnten die überwiegend guten schauspielerischen Einzelleistungen die Aufführung nicht retten. So verliert sich das Stück in faden Gags, überlangen Wiederholungen eben dieser, langweiligen Dialogen und nervigem Gesang.
Dazu gesellt sich die nicht tot zu kriegende Metaebene (die gute alte Metaebene!), die uns immer wieder daran erinnert, dass wir uns im Theater befinden, das gezeigte auf der Bühne bloß ein Spiel ist und alle Theaterkritiker doof sind.

Infos zum Stück.

Sonntag, 10. Mai 2009

Video-Antwort

Da wir schon bei einfachen Antworten/Anleitungen sind und auch der Name Heidegger gefallen ist; hier ein kleines Video, das ich hätte sehen sollen, als ich mich im Rahmen eines Hermeneutik-Seminars mit "Sein und Zeit" befassen musste.

Die zweifelhafte Dialektik der aufklärerischen Diskrepanzen im Spätwerk des jungen Adorno mittleren Alters

Ich biete demjenigen 10€, der mir plausibel erklären kann, was Theodor W. Adorno mit dem folgenden Satz (!) sagen wollte. Ich mein's ernst.

"Der Inhalt, einmal nach dem Urbild des Protokollsatzes fixiert, soll nach positivistischen Brauch gegen seine Darstellung indifferent, diese konventionell, nicht von der Sache gefordert sein, und jede Regung des Ausdrucks in der Darstellung gefährdet für den Instinkt des wissenschaftlichen Purismus eine Objektivität, die nach Abzug des Subjekts herausspränge, und damit die Gediegenheit der Sache, die um so besser sich bewähre, je weniger sie sich auf die Unterstützdung durch die Form verlässt, obwohl doch diese ihre Norm selber genau daran hat, die Sache rein und ohne Zutat zu geben."

aus: Der Essay als Form in: Theodor W. Adorno: Noten zur Literatur. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1990. S. 9-33.

Mittwoch, 6. Mai 2009

Top of the City



Habe ich schon erwähnt, dass ich Dachlandschaften liebe?

Mittwoch, 29. April 2009

Dienstag, 28. April 2009

Captcha = Dada 2.0

Die definitive Lyrik für das 21. Jahrhundert wurde soeben erfunden und ist hier zu finden:

http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/473813

Gedanken zur Lage des Planeten

  • Sportfreunde Stiller beweisen, dass mittlerweile jede drittklassige Schülerband ein MTV Unplugged bekommt.
  • Hollywood Undead = Slipknot frisst Sido
  • 27.4.1996: Der FC Bayern München entlässt Trainer Otto Rehhagel nach einer 0:1 Heimniederlage gegen den FC Hansa Rostock - Die Bayern standen auf dem miserablen 2. Tabellenplatz - Oldie Franz Beckenbauer sollte die Meisterschaft noch retten
  • 27.4.2009: Der FC Bayern München entlässt Trainer Jürgen Klinsmann nach einer 0:1 Heimniederlage gegen den FC Schalke 04 - Die Bayern stehen auf dem horriblen 3. Tabellenplatz - Mumie Jupp Heynckes soll die Meisterschaft noch retten
  • BSE ging vorbei
  • MKS ging vorbei
  • H5N1 ging vorbei
  • Schweinegrippe geht vorbei

Samstag, 11. April 2009

Pariser Tagebuch IV

02|03|09

Ein Tag im Louvre. Ein Tag, an den ich mich nicht allzu detailliert erinnern kann und will. Schon im Vorfeld habe ich wenig Lust auf das vielleicht berühmteste Museum Europas. Nicht nur, dass die Sammlung nicht in unser Seminarthema passt; der Louvre ist schlicht ein Touristenmagnet, in dem es für Kunsthistoriker kaum möglich ist, ein berühmtes Gemälde in Ruhe anzusehen und zu diskutieren.
Bevor wir den Bau jedoch betreten, erfolgt selbstverständlich eine ausführliche Architekturgeschichte und –analyse. Schon jetzt, es ist 9:30 Uhr, läuft die Diskussion schleppend. Irgendwer redet über Henry IV, Ludwig XIV, den Salon und die große Achse. Auf Letztere werde ich in einem der letzten Beiträge näher eingehen.



Wir betreten den Louvre und werden ziemlich schnell auf eine Kuriosität aufmerksam gemacht, zu der ich mir sehr gut einen Karambolage-Beitrag auf arte vorstellen kann. Wenn man in Frankreich ein größeres Museum, in dem es auch Führungen gibt, als Gruppe betritt, muss der Gruppenleiter einen großen grünen Sticker gut sichtbar auf der Kleidung tragen. Dieser Sticker räumt dem Gruppenleiter das sogenannte „droit de parole“ ein. Erst, wenn ein Gruppenleiter das Sprachrecht hat, darf eine Gruppe vor einem Werk stehen bleiben und dieses diskutieren. Sicherheitskräfte achten penibel darauf, ob diese Vorschrift samt seiner zweistündigen Begrenzung eingehalten wird. Die zwei Stunden Sprachrecht gelten selbstverständlich generell, nicht pro Werk.
Das Verfahren des „droit de parole“ hat zwei Gründe. Erstens sind Museumsführungen in Frankreich gewerkschaftlich organisiert. Niemand darf also den Fachkräften vor Ort ihren Job streitig machen. Das will auch niemand, denn man weiß, wie Arbeitskämpfe in der Grande Nation ausgetragen werden. Zweitens sind Gruppen in Museen nicht sonderlich erwünscht. Kuratoren sind der Meinung, dass Gruppen einzelne Besucher beim Betrachten der Ausstellungsstücke behindern. Sie werden als zahlende Gäste zwar eingelassen, doch man tut alles, damit sie sich so unwohl wie möglich fühlen. Das „droit de parole“ sorgte während der gesamten Exkursion immer wieder zu Recht für Diskussionen. Immerhin ist das Museum ein Arbeitsort des Kunsthistorikers. Es ist merkwürdig, darum betteln zu müssen, ungestört arbeiten zu dürfen.
Wer Kunst mag, fühlt sich im Louvre aber ohnehin nicht wohl. Die erschlagende Bilderflut ist dafür nur einer der Gründe. Es sind vor allem die Touristen, die an den wunderbarsten Gemälden des 19. Jahrhunderts vorbeiziehen wie an Jahrmarktsbuden und hin und wieder auf ein Bild zeigen, das sie von Postkarten kennen. Nach spätestens zwei Stunden, wenn man kein Recht mehr hat zu sprechen, geht es einem als Kunststudent jedoch nicht anders. Keine Präsentation wird hier seinem Werk gerecht. Ein Meisterwerk überstrahlt das andere und ein bestimmtes schließlich alle – La Gioconda von Leonardo da Vinci.
Zwischen 9 und 19 Uhr bekommen wir eine Stunde Pause zugesprochen, in der wir uns entscheiden können, ob wir uns Kunst ansehen, die uns privat interessiert, oder ob wir etwas essen. Natürlich darf man im Louvre weder essen noch trinken und ist auf die überteuerten Bistros im Gebäude angewiesen. Ich esse also ein Sandwitch (spricht: sondwiitsch) zu 6,50€, zu viert teilen wir uns einen Cappuccino für 4,50€. Mehr Zeit haben wir nicht. Auf dem Rückweg zur Gruppe werde auch ich unfreiwillig zum Jahrmarktstourist und rase u.a. an folgenden Meisterwerken vorbei:

• Théodore Gericault – Das Floß der Medusa
• Eugene Delacroix – Die Freiheit führt das Volk und Der Tod des Sadarnapal
• Jacques-Louis David – Der Schwur der Horatier, Der Raub der Sabinerinnen, Napoleon krönt Kaiserin Joséphine und Liktoren bringen Brutus seine toten Söhne
• Jean-Auguste-Dominique Ingres – Die große Odaliske und Loius-Francois Bertin
Nike von Samothrake

Natürlich sehe ich mir auch die Mona Lisa an und wundere mich über den verhältnismäßig geringen Andrang. Dennoch kann man das Gemälde im Abstand von 3 Metern und hinter Panzerglas nicht betrachten. Man kann es nur fotografieren und weitergehen. Von einem Poster hat man mehr.



03|03|09


Am Vormittag besuchen wir das Deutsche Forum für Kunstgeschichte am uns bereits bekannten Place des Victoires und erhalten einen umfangreichen Einblick in die Arbeitsweise eines Instituts, dass keiner Universität untersteht. Sehr sympathische Menschen und ein Wohlfühl-Arbeitsklima.
Den Nachmittag verbringen wir im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris. In einem früheren Beitrag habe ich bereits auf den schrecklichen Namen und die hervorragende Sammlung hingewiesen. Dennoch kriechen wir alle auf dem Zahnfleisch, obwohl erst die Hälfte der Exkursion geschafft ist. Wir sehen nur noch Bilder, keine Kunst mehr. Unsere Nerven sind überstrapaziert, da es keine Pausen, sondern nur langwierige Diskussionen gibt. Neben Werken von Léger und einer schlechten Ausstellung zum Gesamtwerk Giorgio de Chiricos sehen wir das Gemälde Die Geschichte der Elektrizität von Raoul Dufy. Dieser Staatsauftrag für die Weltausstellung 1937 ist nicht das größte Gemälde der Welt, auch wenn das viele Franzosen noch immer behaupten. Mit 600 m² kann sich Dufy aber schon sehen lassen.
Als es schon dämmert, analysieren wir noch den Bau und dessen Geschichte. Ich lasse mich gern von Monumentalromantik um den Finger wickeln, stehe aber zumindest an diesem Tag allein mit meiner Meinung da. Das ist mir allerdings herzlich egal, denn ich bin zu sehr damit beschäftigt zu frieren und mir fallen schon im Stehen die Augen zu. Außer dem Versand von Postkarten mache ich nichts mehr.


Mittwoch, 8. April 2009

Pariser Tagebuch III

01|03|09

Die Linie C des RER bringt uns in einen Vorort der Stadt – Meudon. Wir fahren durch eine surrealistische Fotografie. Hinter den langen Tunneln, durch die sich Kabelbäume und Rohrsysteme ziehen sehen wir die unwirklich erscheinende Welt der Banlieues. Hier türmen sich Wohnsilos in denen vor allem Araber und Afrikaner wohnen, die in Frankreich ihr Glück suchen. Dazwischen gibt es aber immer wieder einzelne kleine Häuschen, in denen man die durchschnittliche Vorstadtfamilie vermutet.
Am Vormittag besuchten wir im Hôtel Sully, einem weiteren Hôtel particulier, eine Ausstellung mit dem Titel „Paris, capitale de photography. 1920 – 1940.“ Zu sehen gab es vor allem surrealistische Experimente mit dem Medium Foto an sich. Namentlich vertreten waren u.a. Man Ray, Jacques-André Boiffard, Max Ernst, Brassaï, Dora Maar und WOLS.


Danach: „In Paris läuft man. Wer in der Metro mehr als einmal umsteigt ist Tourist.“ Darum geht es von der Rue Saint-Antoine, nördlich der Seine, mit scharfem Schritt zu Station Saint-Michel am südlichen Seineufer. Wir passieren die Île Saint-Louis und die Île de la Cité, versuchen zwischen den Touristenmassen einen Weg zu finden und den Zug noch zu erreichen, der uns nach Meudon bringen soll.

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Man muss nach Meudon fahren und den Ort ein Stück weit durchqueren, um in den abgelegen Zipfel eines anderen Vorortes, namens Clamart zu kommen. Hier befindet sich das Maison-Atelier de Sophie Taeuber et Jean (Hans) Arp. Spätestens jetzt bemerke ich, dass Improvisation das A und O einer Exkursion ist. Zwar habe ich mich intensiv auf die Werke Hans Arps vorbereitet, doch sollte mein Referat erst viel später im Centre Pompidou gehalten werden. Da wir aber einmal in Arps ehemaliger Wohn- und Arbeitsstätte sind, halte ich mein Referat aus dem Stehgreif und versuche den Anwesenden einen neuartigen Mimesisbegriff zu erklären. Verstehen kann man diesen nur vollständig, wenn man die rundlichen Skulpturen berührt und ihre Konturen nachfährt. Natürlich befinden wir uns in einem Museum und wissen, dass dieser Wunsch utopisch ist. Wir hantieren mit Vorstellungen.
Zum Abschluss des Tages in Meudon, dann die freudige Überraschung. Der Gruppe wird ein Eimer voller Handschuhe gereicht, mit dem man die im Garten stehenden Bronzeplastiken berühren darf. Der Leiter der Fondation Arp, so der Name der Einrichtung heute, weiß nur zu gut um die Verlockungen, welche die Skulpturen bei dem Betrachter auslösen, aber auch um den ausdrücklichen Wunsch Arps, seine Ideen fühlbar werden zu lassen. Was folgt, ist ein großes Gruppen-Bronzestreicheln mit einer Reihe verzückter Gesichter. Im Gegensatz zu allem, was wir je in einem Museum erfuhren und vielleicht in Zukunft erfahren werden, fand hier eine unmittelbar sinnliche Kunsterfahrung statt, wie sie vorher nicht einmal unser Dozent kannte. Man schließt die Augen und lässt die Hand die fließenden Formen nachfahren. Es klingt sicher kitschig, aber für diesen Moment fühlt man sich total im Einklang mit der Welt. Ein schönes Gefühl. (Hier ein Beispiel für eine Arp-Skulptur)



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Am Abend fahre ich mit ein paar Kommilitonen ins Marais, das jüdische Viertel der Stadt. Hier kann man v.a. auf der Rue des Rosieres hervorragend und preiswert essen. Ich jedenfalls verzehrte hier das beste Falafel meines bisherigen Lebens, was dazu führt, dass ich in den nächsten Tagen noch zweimal das Viertel aufsuche.
Anschließend gehen wir noch etwas trinken, was in Paris gar nicht so einfach ist, wenn man mit einer Gruppe von acht Personen unterwegs ist. Als wir in einer der kleinen Bars endlich genug Platz und eine Karte organisiert haben, trifft uns fast der Schlag. Man kann im Marais zwar sehr billig und gut essen, allerdings ist man beim Trinken mit einem 0,5l Bier ab 6€ dabei. Naja, was soll’s. Wenn wir schon mal sitzen…

Dienstag, 31. März 2009

Pariser Tagebuch II

28|02|09

Die Exkursion beginnt. Die gesamte Mannschaft trifft sich Punkt 9 Uhr am Place des Victoires. Das Frühstück in der Herberge zuvor fällt karg aus. Eine zerknitterte ältere Dame, die wir in den Folgetagen „Hedwig“ (Ädwiisch) taufen, bedient professionell den Kaffeeautomaten. Ich weiß nicht, ob man uns eine derart banale Aufgabe nicht zutraut, aber Hedwig verrichtet sie mit höchster Konzentration und Hingabe. Wenn man nur ein paar Brocken französisch zu ihr herüberstolpert, zaubert man ein Grinsen auf das faltige Gesicht und man bekommt, was man will: Kaffee, Tee oder doch einen Kakao?
Hedwig ist der Höhepunkt des Frühstücks – auch in den Folgetagen, denn außer steinhartem Baguette, Marmelade und Müsli gibt es nichts. Ich weiß, dass mein Magen sich spätesten gegen 11 Uhr wieder melden wird. Bis es soweit ist, plaudern wir mit dem Dozenten über unsere Anreise und den Platz auf dem wir uns befinden. Ehrenhof für Ludwig XIV. Dann Revolution. Hausmannisierung, später Modeboutiquen und heute schließlich der Heimatort des Deutschen Forums für Kunstgeschichte in Paris. Doch dazu später mehr.
Wir machen uns auf den Weg durch die Pariser Passagen und können gar nicht anders, als immer wieder mehr oder weniger passende Vergleiche zu den Passagen Leipzigs zu ziehen. Der auffälligste Unterschied ist zunächst der Zustand. In Paris kümmert seit der Renovierung der Durchgangswege vor ca. 20 Jahren niemand um deren Erhaltung. Der Putz bröckelt, die Stahlträger rosten, die Glasscheiben sind verdreckt. So erinnern sie in ihrer Erscheinung unfreiwillig an die Zeit ihrer Entstehung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Weil die Fußwege zu schlammig, zu heruntergekommen waren, legte man die Passagen an, um dem Leben der Flaneure einen angemessenen Platz einzuräumen an dem sie sich ihre Stiefel nicht beschmutzten. Hier zeigt sich ein wesentlicher Unterschied zu den Leipziger Passagen, die ihrem Ursprung nach überdachte Hinterhöfe der Messehäuser sind.



In den Passagen Paris’ traf man sich hingegen zur Pflege gesellschaftlicher Kontakte, was freilich auch nur eine Mode war. Heute finde sich in den Passagen kleine Geschäfte und bisweilen ein Hotel. Wie z.B. das kleine Hôtel Chopin, in dem man am besten noch heute eines der 36 Zimmer reserviert, wenn man in ca. acht Jahren vor hat dort zu übernachten. Für ein ordentliches Frühstück wäre ich fast bereit diese Wartezeit auf mich zu nehmen. Es ist mittlerweile 11 Uhr.


Wir stehen gegenüber einer kleinen Buchhandlung und reden über André Breton, Louis Aragon und die anderen Surrealisten, welche sich gern in den Passagen herumtrieben, weil sie Montmartre und Montparnasse verachteten. Es wird aus Der Pariser Bauer und anderen Quellen zitiert, aber ich habe längst etwas Interessanteres entdeckt. Vor dem Buchladen erscheint ein Fensterputzer, der uns beiläufig mustert, seine Leiter der Fassade anlegt und seine Arbeit beginnt. Ruhig und konzentriert wischt er erst mit einem nassen Tuch über das Glas um dann das Wasser sorgfältig aber schwungvoll abzuziehen. Die Bewegung wirkt fast so, als wäre der Mann neben seiner Tätigkeit als Fensterputzer auch der beste Crêpes-Bäcker der Stadt. Vielleicht rührt dieser Eindruck aber auch nur von meinem knurrenden Magen. Während ich allerlei über Flaneure und Surrealisten höre, beobachte ich den Mann genau und stelle mir vor, wie er mit seiner Arbeit das teilweise jämmerliche Bild der Passagen etwas zurechtrücken möchte.


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Den Nachmittag verbringen wir im Musée Rodin, unweit des Invalidendoms (Foto). Das Gebäude war früher das Hôtel Biron, ein Hôtel particulier, in dem der Künstler von 1907 bis zu seinem Tode 1917 lebte und arbeitete. Auch Rainer Maria Rilke lebte eine zeitlang hier, als Privatsekretär Rodins.


Neben zahlreichen Werken ist im Haus auch die Privatsammlung des Künstlers zu sehen, in der sich auch das Portrait des Père Tanguy von Vincent van Gogh befindet. Vor ihm verbringe ich mehr Zeit, als vor jedem Gipsmodell oder jeder Zeichnung Rodins. Unser Schwerpunkt liegt ohnehin nicht bei den Werken im Haus, sondern auf zwei Bronzeskulpturen, die sich im Garten befinden.
All die phrasenhaften Lobhudeleien über einen der Wegbereiter der Moderne sind bekannt und berechtigt, wenn man einen Blick auf Die Bürger von Calais wirft. Für mich ist es eine der schönsten und bedeutendsten Skulpturen der gesamten Kunstgeschichte. Vor allem, wenn man sich vor Augen hält, dass sie als Denkmal geschaffen wurde. Rodins Absage an den Sockel, eine Figurengruppe ohne Interaktion, mit höchster Anonymität, Verzweiflung, Dynamik – genial. Die Diskussion darüber ermüdet mich indes. Ich habe mich wahrscheinlich schon zu oft mit der Plastik auseinandergesetzt. Ich möchte sie lieber schweigend genießen.



Ähnlich geht es mir zunächst beim Denker. Das ist eines dieser Kunstwerke, zu dem die Touristen in Scharen strömen, in aller Eile ein Foto schießen, davor posieren, noch ein Foto schießen und dann weiterhetzen. Wäre ich nicht mit der Exkursionsgruppe unterwegs gewesen, hätte ich es sicher nicht anders gemacht, nur das Posieren weggelassen. Was das für ein schwerer Fehler gewesen wäre, zeigt die Diskussion. Wir prüfen die Skulptur haarklein auf ihre Allansichtigkeit und machen eine erstaunliche Entdeckung. Betrachtet man den Denker nicht frontal, sondern schräg von hinten rechts, offenbart sich ein verblüffendes Zitat. Rodin arbeitet in seinen Denker den Torso von Belvedere ein und verweist damit auf eine Traditionslinie aus der Antike, welche für die Moderne immer noch eine Relevanz hat.
Uns alle beschleicht ein Hochgefühl. Wir haben hier etwas in der Gruppe erarbeitet, dass sogar unseren Dozenten in Staunen versetzt. Während die Touristen weiter ihre Frontalfotos machen, wollen wir uns gar nicht mehr vom Fleck rühren. Doch wir müssen, denn nun kommen auch die Touristen auf die Idee, einmal um die Bronze herumzugehen. Als sie an der Stelle stehen bleiben, die uns so offensichtlich begeisterte, runzeln nicht wenige die Stirn und blicken verwundert in unsere Richtung.


Der Denker ist übrigens ursprünglich keine Einzelplastik, sondern ein zentrale Bestandteil von Rodins Höllentor. Vor diesem muss man gestanden haben, denn Worte können eine solche Perfektion kaum wiedergeben. Ich kannte das Tor vor der Fahrt nach Paris nur von Fotos. Ich bin umso beeindruckter, als ich davor stehe und glaube direkt in das von Dante beschriebene Inferno zu blicken. Ich schwöre, das Tor ist lebendig!


Zum Abschluss des ersten, anstrengenden Tages, werfen wir noch einen kurzen Blick auf Rodins Balzac-Skulptur. Wir stehen und sehen und sehen nicht mehr richtig und kommen einfach nicht darauf, was uns an dieser Plastik so irritiert. Ein Denkmal für Honoré de Balzac also? Naja, ganz schon unimposant so ein Dichter im verlotterten Morgenmantel. Aber was soll’s… Wie? Was? Nee, wirklich? Is’ nich wahr… Tatsache, wenn man genau hinsieht (und es weiß), erkennt man, dass Balzac sich unter dem Mantel einen runterholt. Nun ja, Feierabend für heute.

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Da das Wetter an diesen Tag so herrlich ist, beschließe ich vom Musée Rodin noch einen kleinen Abstecher zum Eiffelturm zu machen. Denn kann man von hier aus in 15 Minuten bequem zu Fuß erreichen.






Donnerstag, 26. März 2009

Pariser Tagebuch I

27|02|09

Schwarz zu blau. Peter Fox’ Stimme klingt mir noch in den Ohren, als wir Kaiserslautern erreichen. Seit einer Stunde rasen wir mit 306 km/h im ICE aus Mannheim gen Paris. Eine ziemlich wackelige Angelegenheit, aber die Toiletten sind im Gegensatz zu den mit besser bekannten Regionalbahnen der reinste Luxus.
Um 22:55 Uhr verließen wir am Vorabend Leipzig. Wir, das sind Karen, Janine, Josephine, Marijana, Aline und ich. Eine Gruppe angehender Kunsthistoriker auf dem Weg die Werke der Avantgarde von 1900 bis 1968 im Original zu studieren. Wenn man mit so vielen Frauen reist, hat man stets bekannte Gerüche von Cremes, Parfum und frisch gewaschenen Haaren um sich herum. Das tröstet nicht über die Abwesenheit der eigenen Freundin hinweg, hilft aber sich nicht allzu fremd in einer fremden Stadt zu fühlen.
Gegen 9:40 Uhr werden wir unser Ziel erreichen. Dann wird die Nacht endgültig hinter uns liegen und wir stürzen uns mit mehr oder weniger guten Sprachkenntnissen in die Straßen der französischen Hauptstadt. Vor uns liegen anstrengende Tage, für die wir in der Reisenacht keine Kraft sammeln konnten. Bis Mannheim reisten wir in einem Nachtzug zweiter Klasse. Das bedeutet, nicht in einem Liegewagen zu übernachten, aber immerhin in einer Art Schlafsessel, der auf der englischen Informationskarte als Sleeperette bezeichnet wird. Ich muss kurz lachen. Der Name erinnert mich eher an Damenhygieneartikel, als an einen Schlafsessel. Die Sleeperetten sind bequemer als normale ICE-Sessel zweiter Klasse. Man schläft dennoch nicht sehr erholsam auf ihnen. Immerhin knapp drei Stunden sind uns vergönnt, in denen wir immer wieder vom An- und Abkoppeln andere Wagons, dem Rasseln der Klimaanlage oder dem Schnarchen anderer Fahrgäste geweckt werden. Ich versuche mich in meinem halbschalenförmigen Sitz, der an futuristische Raumschiffausstattung erinnert häuslich zu fühlen, mich abzuschotten wie in einem Kokon und meine Umwelt zu ignorieren.
Den Tagen in Paris sehe ich jetzt bedeutend gelassener entgegen, als noch wenige Tage vor Reiseantritt. Dennoch bleibt meine Freude gedämpft. Wir kamen nicht um Urlaub zu machen. Vor uns liegt ein auf neun Tage komprimiertes Seminar, dessen Führungsstil die meisten von uns kennen.

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Nach der Ankunft im BVJ Louvre verstauen wir unsere Koffer im Gepäckraum. Die Zimmer können wir erst am Nachmittag beziehen. Wir wussten das vorher und sind uns einig den freien Tag für das obligatorische Touristenprogramm zu nutzen. Halb Paris an einem Tag.
Zuerst spazieren wir von der Herberge, die, wie der Name schon sagt, in unmittelbarer Nähe zum Louvre liegt, über die Pont Neuf zur Île de la Cité um uns die altehrwürdige Notre Dame de Paris anzusehen. An diesem ersten Tag spricht noch mehr der Tourist, als der Kunsthistoriker aus mir. So kann mir die Kathedrale zwar mit ihrer Fassade imponieren, die Innenausstattung hingegen ist wenig spektakulär. Ich war im Laufe meines kurzen Lebens in vielen gotischen Kathedralen. Es ist (natürlich) eine ständige Wiederholung, egal in welcher Stadt das Bauwerk steht. Jesus und Maria, Jesus und die Apostel, Maria und werauchimmer. Ich sollte vorerst eine Gotik-Pause einlegen.


Danach kann ich die Mädels dazu überreden mir auf den Cimetière du Père Lachaise zu folgen. Wir nehmen uns die Zeit einen ausgedehnten Totentourismus zu betreiben und fotografieren die Gräber von Ingres, Delacroix, Gericault und Max Ernst. Natürlich pilgern wir auch zu den Ruhestätten von Oscar Wilde und Jim Morrison. Deren Verehrung nimmt bisweilen groteske Züge an. Auf Morrisons Grab liegt u.a. eine Dose Guiness. Das Grabmal Wildes ist mit roten Kussmündern übersäht. Ist der Dandy des späten 19. Jahrhunderts auch im 21. noch eine Sexikone? Es sieht ganz danach aus. Doch diese Verehrung ging bisher an mir vorbei.




Wir werden immer routinierter im Benutzen der Metro und rasen bis zum Fuß des Butte Montmartre auf dessen Gipfel sich stolz und wunderschön Sacré-Cœur erhebt.


Von hier oben hat man den schönsten Blick über die gesamte Stadt. Wir lassen die Touristenmassen auf den Stufen der Basilika zurück und treiben durch das Viertel. Natürlich ist Montmartre von Touristen überlaufen. Aber so ist das nun mal. Ich kann mich nicht beschweren, ich bin selbst Tourist, kann aber dennoch einen Teil der alten Atmosphäre spüren. Nichts ahnend stehe ich auf einmal vor dem Bateau-Lavoir (dt. „Waschboot“), der Geburtsstätte des Kubismus. Hier lebten und arbeiteten vor allem Pablo Picasso und Max Jacob. Aber auch Guillaume Apollinaire, Georges Braque und Henri Matisse gingen hier ein und aus – wie man so schön sagt. Nachdem das Haus 1970 durch einen Brand zerstört wurde, erinnerte heute noch ein Schaufenster an der Fassade an den Ort, an dem für viele Kunstliebhaber die moderne Avantgarde begann.













Am Abend kehren wir in unsere Herberge zurück und beziehen die spartanischen Zimmer. Bewertungen von Backpackern und anderen ehemaligen Gästen ließen das schlimmste befürchten. Ich bin jedoch zufrieden. Das Zimmer ist sauber und reicht zum Übernachten vollkommen aus. Es treibt uns ohnehin auf die Straßen. Wir wollen Paris sehen und gehen den kurzen Weg zum Louvre. Wahrscheinlich war ich zuletzt als Kind beim Anblick des festlich geschmückten Weihnachtsbaumes so beeindruckt von etwas Erleuchtetem. Die Fassaden des Baus wirkten bei Tageslicht klassizistisch-normal. Erst am Abend bekommen sie durch das orange Licht ihre Atmosphäre. Wir sehen auch den erst erleuchteten, dann sogar glitzernden Eiffelturm und verlieren unsere kindliche Touristenfreude. Der Turm ist außerhalb Europas nicht mehr nur das Symbol für den Kontinent schlechthin; nachts ist er mit seinen tausenden blinkenden und funkelnden Lämpchen die Kitschikone einer Nation.


Mittwoch, 25. März 2009

Plaquekate

Paris und die Avantgarden - das bedeutet auch eine Auseinandersetzung mit den Affichisten. Diese sogenannten "Plakatabreißer" benutzen die Methode der Décollage um mit Plakatfetzen Bilder zu schaffen. Ein nicht unerheblicher Streitpunkt ist dabei immer wieder der Aspekt des Zufalles. Die Vertreter der Affiches lacérées, allen voran Jacques Villeglé betonten immer wieder die zufällige Auswahl und Zusammensetzung ihrer Werke. Ich bin da allerdings sehr skeptisch.

Vielleicht bildet sich jeder ein eigenes Urteil, nachdem er die beiden unten stehenden Fotos mit dem verlinken Villeglé verglichen hat. Die Bilder entstanden in den Gängen der Metrostation Franklin-D. Roosevelt.