Samstag, 30. August 2008

Hommage an Barnett Newman

Kunst ist einfach überall und manchmal schlägt sie uns aus heiterm Himmel mit dem Hammer vor den Kopf.
Als Barnett Newman in den 1960ern sein Bild Who's Afraid of Red, Yellow and Blue (hier angucken!) schuf, war das noch eine Provokation an unsere Sehgewohnheiten, die einiges Aufsehen erregte. Heute haben rote Wände längst Einzug in unsere Wohnungen gehalten und auch Malewitsch war mit seinem schwarzen Quadrat dem IKEA-Wohntrend weit voraus.


Auch im Haus meiner Eltern ist die (Post)moderne (leicht verspätet) angekommen und so entstand diese kleine Hommage an Barnett Newman.

Dienstag, 26. August 2008

Die Linie




Diejenigen, die einen Scharlatan in mir sehen, haben nicht weniger Recht als jene, die mich als Künstler bezeichnen. Wenn ich überhaupt ernsthafte Ambitionen hege Kunst zu schaffen, dann eine, welche Beuys’ Credo folgt. Jeder Mensch ist ein Künstler.

Ich mache gar keinen Hehl daraus, dass ich vollkommen untalentiert bin, weder malen, zeichnen noch modellieren kann. Ich bedaure diesen defizitären Zustand sehr, aber das ist unwichtig. Wichtig ist, was der Mensch schafft.

Am Beispiel meiner Linie: Man muss es erst einmal schaffen einen Strich mit Hilfe eines Lineals derartig krumm zu ziehen. Dass es sich bei dem Lineal um ein völlig intaktes Superflex aus Silikon handelte ist blanke Ironie. Poetisch oder gar künstlerisch anspruchsvoll wird das Bild erst durch diesen Kontext, den ich dem Betrachter nicht vorenthalten möchte.

Die angegebenen Maße beziehen sich selbstverständlich auf den Strich selbst. Das Blatt auf welchem sich der Strich befindet misst 6,3 x 12 cm. Eine weitere Dimension erhält das Werk durch den unglücklichen Umstand des Einklebens in mein Notizbuch. Eine Seite dieses Buches ist 8,7 x 13,8 cm groß.

Die zusätzlichen Karos und die Randlinie des Papiers sowie die Lineatur des Notizbuches steigern den Sinngehalt der Zeichnung, was mir im Moment des Schaffens selbstverständlich nicht bewusst war. Das Bild ist ein Produkt des Zufalls. Es ist dadurch nicht minder ein Kunstwerk, es erhält seine Legitimation durch seinen Kontext und seine Interpretation.

Ohne Frage darf man der Linie absprechen, sie sei Kunst. (Die Definition des Begriffs Kunst seitens des Kritikers würde ich in diesem Falle besonders interessieren.) Diese Tatsache führt uns zum elementaren Kunstproblem unsere Zeit zurück. Wenn Damien Hirst einen konservierten Hai in einem Museum ausstellen kann, wieso kann ein nobody, ein Mensch der die so genannte Kunstszene allenfalls aus dem Feuilleton kennt, keine Linie ausstellen? Oder anders gefragt: Warum könnte Damien Hirst eine Linie ausstellen, ich aber keinen Hai in Formaldehyd (ginge man davon aus, dass ich die technischen Möglichkeiten dazu hätte)?

Ich möchte keine Kunst schaffen, die als solche angesehen und verstanden oder missverstanden und infolgedessen für utopische, niemals zu rechtfertigende Summen verhökert wird; wobei ich das Geld gut gebrauchen könnte.

Wenn ich überhaupt den Anspruch an mich selbst hätte Kunst (was auch immer das ist) zu schaffen, dann solche, welche auf ihren Status pfeifen kann aber von jedermann verstanden wird. Kunst, mit der der Betrachter etwas anfangen kann, die den Betrachter nicht von oben herab verarscht. Kein Künstler steht in der Pflicht sein Werk zu erklären – niemals. Der Künstler, der den Betrachter ohne einen noch so kleinen Anhaltspunkt (und sei es ein Titel, was nicht selbstverständlich ist) vor einer Leinwand mit zwei Strichen und einem Kreis zurücklässt, muss mit der Missachtung seiner Werke rechnen. Der Künstler darf (und muss bisweilen) den Betrachter verarschen, wozu er sich immer etwas über den Betrachter erheben muss. (Von Joan Miró wissen wir, dass er bei seinen Ausstellungen gern in der Ecke stand und sich über mögliche Interpretationen seiner Bilder kranklachte.) Ebenso muss er jedoch auch damit rechnen, dass sich nicht jeder Betrachter darauf einlassen will.

Wirklich problematisch wird es erst, wenn der Kunstbetrieb den Kunstkonsumenten an der Nase herumführt. So geschehen bei Damien Hirsts Kitschikone For the Love of God. Ein mit Brillanten besetzter Schädel, der von einer Stiftung finanziert und dann wiederum gekauft wird, welcher der Künstler selbst angehört…? Da sieht man sich als Nichtkünstler doch in der Pflicht über Beuys’ Parole nachzudenken und selbst aktiv zu werden; etwas zu schaffen, dass vielleicht auch keine Kunst ist, sich aber immerhin die Poesie des Alltags bewahrt hat mit der der Mensch im Zweifelsfall immer etwas anfangen kann.