Samstag, 1. Mai 2010

Nova Nova Nova

Ok, ich machs kurz. Ich betreibe ab sofort ein neues Blog. Das hat vor allem den Grund, dass ich WordPress ausprobieren möchte. Blogspot langweilt mich in seiner Aufmachung etc. derzeit etwas. Die Namensänderung des Blogs war da nur ein Versuch das Ganze für mich wieder attraktiver zu machen. Hat nicht so ganz funktioniert. Darum blogge ich ab sofort auf http://novastation.wordpress.com/ Vielleicht hat ja der ein oder andere Lust mir dorthin zu folgen.
Dieses Blog hier bleibt jedoch, nicht zuletzt als Archiv, weiter bestehen.

Was meint ihr dazu?

Also dieses Flattr (zuerst gesehen in der Gefühlskoserve) scheint wirklich eine gute Idee zu sein, die Kreativwirtschaft fair zu unterstützen. Was denkt ihr über das Konzept?


Dienstag, 27. April 2010

Apokalypse: Ende und Anfang

Als ich gestern die "Offenbarung des Johannes" las, wurde es allmählich immer dunkler um mich herum. Das angekündigte Gewitter, auf das ich mich schon den ganzen Tag gefreut hatte, zog auf.
Seit meiner Kindheit bin ich ein Gewitterfan. Ich unterbrach die Uni-Lektüre (Seminar: Literatur der Apokalypse) und ging ans geöffnete Küchenfenster. Ich schaffte es gerade noch mir eine Zigarette anzuzünden, bevor das Schauspiel begann. Eine Mutter rannte mit ihrem Kind die Straße hinab, um dem immer heftiger werdenden Regen zu entkommen. Als schließlich erbsengroße Hagelkörner auf die Erde niederschlugen, zerriss es einem Rentner den Schirm.
Ich stand ganz ruhig da und genoss die Kraft der Natur. Und dann schwirrten lauter Songs durch meinen Kopf:
Danach bin ich zur Post gefahren, die natürlich total überfüllt war. Ich stellte mich in die Schlage und hatte immer noch ein Pfeifen auf den Lippen. Viele entnervte Gesichter sahen mich merkwürdig an. Meine gute Laune hob sich dadurch irgendwie noch mehr.

Dann folgende Szene:

Mutter, Kind und Freundin von Mutter am Briefmarkenautomaten. Mutter mit zwei Päckchen (groß und klein) in der Hand. Kind quängelt.
Die Mutter drückt dem Kind zur Beschäftigung das kleine Päckchen in die Hand und sagt: "Das ist jetzt deins. Pass gut drauf auf." Das Kind ist erstmal zufrieden und tappst mit dem kleinen Päckchen durch die Postfiliale. Inzwischen komme ich an die Reihe...
Als ich die Filiale verlassen will, sehe ich im Foyer Mutter, Kind und Freundin von Mutter. Die Päckchen wurden mittlerweile adressiert, frankiert und eingeworfen. Sie waren also weg.
Das Kind heult: "Das waaaa meinäää! U-Weäääh!!"
Die Mutter versucht zu trösten/abzulenken: "Willst du ein Brötchen haben?"
Antwort: "Das waaa meinääää!"
Die Mutter erneut: "Möchtest du ein Brötchen haben?"
Das Kind (unter heulen): "Jaaahaaaa..."

Herrlich. Aber das Beste: Das Geheul der Kleinen hat alle gestressten Postkunden genervt. Mich nicht. Ich fand die Szene süß und bin mit einem Grinsen im Gesicht weitergefahren.

Freitag, 23. April 2010

Über Coca - Sigmund Freuds voranalytische Schriften

Bevor Sigmund Freud (1856 - 1939) mit seinen psychoanalytischen Arbeiten weltweit bekannt wurde, experimentierte er einige Jahre mit Kokain. Die Erkenntnisse, die er dabei gewann veröffentlichte er in diversen Aufsätzen, die es zu lesen lohnt.
Als junger Arzt in Wien suchte Freud nach Möglichkeiten sich durch revolutionäre Studien einen Namen zu machen. Das Geld war damals noch knapp, die Forschungen entsprechend von einer gewissen Verzweiflung angetrieben. So versuchte er das damals noch relativ unbekannte Coca als Entwöhnungsmittel für Alkohol und Morphium zu etablieren. Später wurde Kokain lange Zeit vor allem zur lokalen Anästhesie bei kleineren operativen Eingriffen verwendet.
In zahlreichen Versuchen an sich selbst und anderen Personen überzeugte sich Freud von der leistungssteigernden und euphorisierenden Wirkung der Droge. Wichtigste Referenz waren für ihn dabei die coca-kauenden Ureinwohner Südamerikas. Stets versicherte Freud kaum negative Nebeneffekte oder gar Suchtgefahr beobachtet zu haben. Einschätzungen, welche er später revidieren musste, was schließlich zur entschiedenen Distanzierung seiner frühen Arbeiten führte. Freud bezeichnete seine Kokain-Studien später als "Jugendsünden", welche er aus seinem Gesamtwerk streichen wollte. Einzig der erste Aufsatz "Über Coca" behielt für ihn lebenslange Gültigkeit.
Freuds Schriften über Kokain lesen sich, wie alle seine Texte, sehr interessant und einfach. Er verfügt über eine klare, geschliffene Sprache, die eher literarisch denn wissenschaftlich funktioniert. Die Beschreibungen der Coca-Wirkung auf den menschlichen Körper sind oft stark verharmlosend, aber nachvollziehbar. Leider wird den psychischen Auswirkungen des Kokain-Konsums gegenüber den physichen weniger Beachtung geschenkt, was etwas überrascht, manchmal enttäuscht, bedenkt man die späteren Arbeiten Freuds. Dennoch geben die Coca-Schriften einen interessanten Einblick in die Medizingeschichte des ausgehenden 19. Jahrhunderts und den Umgang mit einer Substanz, dessen verheerende Kraft noch nicht auszumachen war.

Montag, 19. April 2010

50 Jahre Neo

Soeben wurde der Anti-Neo-Rauch-Liga eine weitere Wortmeldung hinzugefügt. In "Kulturzeit" wurde das Werk des Leipziger Malers anlässlich seines Geburtstages feierlich herabgewürdigt. Dabei frage ich mich so langsam wirklich, was das soll.
Sicher ist Neo Rauch nicht das Maß der Kunstwelt. Aber hey, besser als Koons und Hirst ist er allemal. Warum? Weil Neo Rauch:
  1. malen kann.
  2. eine kohärente Bildwelt schafft, die dennoch Rätsel aufgibt und ernsthaft Raum zur Interpretation lässt.
  3. Stimmung in Öl und Acryl schaffen kann. Und seien wir ehrlich, das machen/können heute nicht mehr Viele.
  4. Geschichten erzählt.
Als Rauch vor ca. 10 Jahren (sag ich jetzt mal) bekannt wurde, haben ihn alle gehypet und infolgedessen geliebt. Nun kennen alle Kunstinteressierten seine Bilder, welche in ihrem Stil, ihrer Sprache ähnlich redundant sind wie Mattheuer oder Tübke, in- und auswendig. Zugegeben, die beiden waren auch nicht gerade die Größten, aber immerhin Maler aus Leidenschaft. Maler, die ernsthaft etwas schaffen wollten, die was zu sagen hatten, für die nicht alles (vor allem nicht die Kunst) ein großer Witz war.
Und jetzt? Zum 50ten Geburtstag bekommt Neo Rauch so viel Skepsis und Häme wie nie zuvor geschenkt. Natürlich ist sein Zenit am Kunstmarkt überschritten. Und natürlich kann nicht jeder der in Leipzig einen Pinsel in die Hand nimmt ewig von ihm profitieren. (Um ganz ehrlich zu sein: Die Rauch-Schüler langweilen mich.) Aber so funktioniert die Kunstwelt. Wenn aber Rauchs Werk in sagen wir 50 Jahren vergessen sein wird, ist das vielleicht eine Folge der Kunstrichter von heute. Scheinbar gibt es nur noch zwei Urteile in ihrer Bewertung. Für die Zwischentöne haben sie kein Gehör. Können sie auch nicht haben, wenn sie ihre Wahrnehmungen nicht reflektieren. "Sogar wenn er (Neo Rauch) Zerstörung zeigt, wirken die Figuren wie aus einer kitschigen Theaterszene." Was sagt Ihnen das über Ihre Art der Wahrnehmung Herr/Frau ... äh? Tja, leider kein Autorenname bei diesem Beitrag vorhanden.

Sobald die Besucherströme im Museum der bildenden Künste etwas abgenommen haben, werde ich mir die Retrospektive ansehen. Ich werde mich nicht davon überzeugen wie gut oder schlecht Neo Rauch ist. Ich werde mir einfach ein paar Stories erzählen lassen.

Mittwoch, 14. April 2010

Dada Cinéma 3

video


4:01 min., Farbe, Deutschland 2010
Buch/Regie: Clark Nova
Kamera: Anne (Kodak Z740)

Freitag, 9. April 2010

"Ich-habe-kein-fickendes-Auge"-Hirsch

Der von mir sehr geschätzte und hochverehrte Volker Strübing war im vergangenen Jahr mit der Moderatorin Patricia Schäfer (Wer zur Hölle ist...?) auf dem Mississippi unterwegs, um die Südstaaten der USA zu erkunden und daraus eine 3-teilige Doku-Reihe für 3sat zu drehen. Vor zwei Jahren hatte er schon mal ein ähnliches Projekt, bei dem er mit Kirsten Fuchs durch den Nordatlantik fuhr. Damals hieß das ganze "Nicht der Süden" und war vielleicht eines der schönsten Dinge, die ich seit laaaangem im TV gesehen hatte.
Nun zeigte 3sat über Ostern die Serie "Mister & Missis.Sippi" bei der Strübing nicht nur einer der Protagonisten, sondern auch einer der Regisseure war. Aber ganz ehrlich, an "Nicht der Süden" reichte die neue Serie nicht ran. Zwar waren die Eindrücke, die man von den Südstaaten bekam super, aber zufrieden bin ich dennoch nicht. Das liegt vor allem an dieser merkwürdigen Patricia Schäfer. Irgendwie bekomme ich in letzter Zeit immer wieder das Gefühl, dass Deutsche, die für eine zeit lang in den USA lebten und Amerikanistik studierten, einen an der Waffel haben. Unter einer Maske aufgesetzter "Lustigkeit" versteckt das Exemplar Schäfer lediglich ihre Spießigkeit und generelle Nichteignung für Abenteuertrips jeglicher Art. Besonders deutlich wurde das in den Filmen dann, wenn sie betonte wie wenig ihr fehlende Dusche und Toilette doch ausmachen oder wie merkwürdig sie Volker manchmal finde.
Tja, und Volker Strübing wurde und wird ja immer wieder für seine liebe, unaufdringliche Art und seinen sympathischen Humor gelobt. Zu recht. ABER: in "Mister & Missis.Sippi" stand er mir einfach zu sehr im Hintergrund. Das war mir wirklich zu viel Zurückhaltung und sicher der Grund, warum er seinen spezifischen Humor kaum entwickeln konnte. Gut, mag man jetzt sagen: "Das liegt alles am Schnitt." Das wird sicher auch eine Rolle gespielt haben, aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass Strübing und Schäfer froh waren, als es vorbei war und beide wieder getrennte Wege gehen konnten. Andeutungen in diese Richtung kamen in allen drei Teilen zur Genüge vor - kann aber auch inszeniert gewesen sein.
Auf jeden Fall waren die beiden kein stimmiges Paar und man hat sich beim Gucken ständig Kirsten Fuchs zurückgewünscht, die sich in Sachen Charakter und Humor spitzenmäßig mit Volker Strübing ergänzt. Sei's drum, vielleicht wird es irgendwann wieder eine Serie mit den beiden geben. Wie wahrscheinlich das ist? "I've no fuckin' eye deer."